Von:
Lars Charbonnier

e-sinn-des-lebens.de

Am 14. September 2002 begann die Arbeit am Sinn des Lebens. Zumindest was den Artikel „Sinn des Lebens“ in wikipedia betrifft. Seitdem gab es mehrere Hundert Überarbeitungen. Meist wurde angefügt, ergänzt, erweitert. Die Zahl der Antworten aus Geschichte und Gegenwart wuchs an. Etwa: „Der Sinn des Lebens besteht darin, anderen zu helfen. (Das ist jedenfalls die feste Überzeugung der Anderen.)“ von Gerhard Kocher, oder ganz einfach „Zweiundvierzig“ von Douglas Adams. Die vielen Antworten nicht nur auf wikipedia zeigen: Die eine, allgemeingültige Antwort darauf, was der Sinn des Lebens ist, gibt es nicht.

Der Sinn des Lebens will entworfen werden. Der Sinn des Lebens wird nicht ein für alle Mal festgeschrieben, er wird fortgeschrieben. Was für wikipedia gilt, gilt für jeden einzelnen Menschen. Der Sinn meines Lebens verändert sich mit den Jahren. Gerade dann, wenn ich ihn nicht mehr zu spüren, zu kennen, zu erkennen scheine, arbeite ich an ihm, entwerfe ihn neu, schreibe ihn fort.

Glücklich bin ich, wenn ich das schaffe, meinen Lebenssinn immer wieder neu finde, manchmal auch zu ihm zurückfinde. Unglücklich bin ich, wenn ich an dieser Aufgabe scheitere, etwa weil die Seiten meines Lebensbuches, in das ich den Sinn schreibe, schon so vorgeprägt scheinen von dem , was andere hineingedruckt, auf den Deckel geklebt oder einfach ins Inhaltsverzeichnis gesetzt haben.

Mit beiden Erfahrungen meines Sinnschreibens, den glücklichen und den unglücklichen, finde ich in der evangelischen Kirche Raum: zum Suchen und Finden, zum Austausch über Gelingen und Misslingen. Die christliche Religion hat in ihrer langen Geschichte gelernt, dass jeder Mensch selbst seinen Sinn des Lebens schreiben muss. Und sie hält daran fest, dass dieses Schreiben viel einfacher geht in der Gemeinschaft mit anderen Schreibenden. Sie hält Angebote bereit, Formulierungshilfen, Bilder, Erfahrungen derer, die ihren Lebenssinn mit der christlichen Tradition formuliert und gefunden haben. Und sie hält daran fest, dass all unser Sinn-Schreiben im Gelingen und Misslingen getragen wird vom Schöpfer des Lebens selbst. Der Theologe Paul Tillich hat ihn einmal als den „Sinn des Seins“ bezeichnet, ohne den alles Leben nicht denkbar wäre, weder vor noch nach dem 14. September 2002.